Soloabend auf der Sternwarte

Soloabend auf der Sternwarte

Beitragvon Laadoc » Fr 8. Dez 2017, 12:42

Ab und zu ergibt es sich, dass man die Sternwarte so ganz alleine nützen kann. Da sich für den Abend vor den Feiertag niemand gemeldet hat, bin ich halt allein „Kastellan“ gewesen.

Na wumm! Schon beim Aussteigen aus dem Auto, um 18h, hat mich unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, förmlich angesprungen! Was für ein ehrfurchtserweckender Eindruck!

Das Vorbereiten, wie Dachaufschieben, geht auch allein leicht und flux ist auch schon der 14 Zöller aus dem Schlaf erweckt.

Zur Dunkeladaption der Augen dient ein Offener Haufen. NGC 7209 ist ein Sternhaufen vom Trumpler-Typ III1p im Sternbild Eidechse (LACERTA) am Rande der Sommermilchstraße gelegen. Der OH ist etwa 3.800 Lichtjahre vom Sonnensystem entfernt, mit einem Durchmesser von ca. 28 Lichtjahren. Im 5 Zöller kann man den Überblick gut bewahren. In 14 Zöller, bei 140-facher Vergrößerung, ist die zentrale Sternengruppe formatfüllend und so ein gutes Studienobjekt.

Wie so oft, ist trotz exzellentem Seeing, die Durchsicht doch nicht so perfekt gewesen, wie ich es mir erhofft hatte. So sehr ich mich auch mühte, die Sterne ließen sich nicht nadelfein einstellen, sondern blieben durch die offensichtliche Luftfeuchtigkeit im Okular leicht unscharf, aber ohne Flimmern. Ja,ja, der angekündigte Wetterwechsel schickt seine Vorläufer voraus.

Daher als nächstes ein frustraner Test am Zentralstern von M57. Das Fazit: heute keine Chance. Ebenso das Trapez in M15. Ja, vielleicht habe ich es bei 9h im Okular bei 390-facher Vergrößerung ausmachen können, aber so ganz sicher bin ich nicht gewesen.

Also jetzt einmal kein weiterer Versuch an solch grenzsichtigen Objekten!

NGC 891. Die zweite bekannte Galaxie in der ANDROMEDA. Die hat allerdings so richtig „gezischt“! Habe diese, aus der Kleinstadt heraus nicht sichtbare Galaxie, noch nie so schön gesehen! Der feine zentrale Bulge und das Staubband in der Längsrichtung. Was für ein Anblick! Durch die Vordergrundsterne präsentiert sich die Galaxie wie ein Raumschiff durch Zeit und Space! Da kann man sich nicht sattsehen! Das allen genügt schon für einen ganzen Abend!

M33 freisichtig erahnbar, aber im Teleskop heute eine Enttäuschung, zeigt sich nur als verwaschener Fleck.

Trotzdem habe ich mir einige weniger bekannte Sterngruppen in der CASSIOPEIA gegönnt.

Zu Unrecht weniger beachtet ist NGC 7790. Vielleich wegen des so bekannten OH NGC 7789. 7790 ist bei 145-facher Vergrößerung ein praller, sternreicher und formatfüllender Haufen.

Auch die kleineren Vertreter ihrer Art, NGC 436, NGC 637 geigen im 14 Zöller auf!

So gegen 19h ist das Sternbild AURIGA in angenehmer Beobachtungshöhe gestiegen gewesen. Der fliegende Fisch, der Flying Minnow ist locker freisichtig zu lokalisieren gewesen. Offiziell gilt die Gruppe nicht mehr als Haufen, aber es macht Freude die blauen Gemmen auf schwarzem Samt zu sehen.

Nein, nicht die Ms haben mich heute in der Auriga interessiert, sondern die NGCs. Freunde, heraus aus der Routine und einmal an den nicht so „ausgetretenen Pfaden“ abarbeiten. Da gibt es wirklich Großartiges zu entdecken.

Ein Blick in den Grenzbereich zwischen Auriga und Taurus, M1, der Krebsnebel (gehört zum Sternbild TAURUS) hat mir so richtig Freude bereitet: Beim indirekten Sehen hat sich die giesige-netzige Innenstuktur bei 390-facher Vergrößerung blicken lassen. UHC Filter ist allerdings dienlich gewesen.

Die Schilddrüse hat noch nicht völlig auf Winterbetrieb umgestellt und schön langsam dringt die Kälte unangenehm durch die Kleidung. Ich breche daher ab.

Schön war‘s!

Weil es ohne Bilder dann doch nicht geht:
M45klein.gif
M 45, Foto LaaDoc


Astereoid-Nr.-151-Abundantia-12.gif
Astereoid-Nr.-151-Abundantia


Wizardnebula_klein.gif
NGC 7380 mit Wizard Nebula, Foto LaaDoc
Laadoc
 
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