Gottfried Gerstbachs astronomische November News

Gottfried Gerstbachs astronomische November News

Beitragvon Laadoc » So 3. Nov 2019, 11:18

Astronomische Übersicht:

Die lange Dominanz der zwei Riesenplaneten ist zu Ende. Denn Jupiter geht anfangs schon um 18h50 unter und verschwindet bald in der Dämmerung. Saturn steht bei Sonnenuntergang 20° hoch im Süden und geht anfangs um 20:30, zu Monatsende gegen 18:50 unter.

Die Venus wird nun Abendstern und geht anfangs 1 Stunde, zu Monatsende 1:40 nach der Sonne unter. Merkur wechselt nach dem Merkurdurchgang am 11.11. auf die rechte Seite der Sonne und ist ab 20.11. morgens zusehen.

Am Abend sehen wir hoch im Südwesten noch das große Sommerdreieck Leier-Schwan-Adler (Deneb fast im Zenit). Im Südosten steigt die Fünfsternreihe mit Pegasus, Andromeda und Perseus empor. Der Große Wagen steht tief im Nordwesten, während sich das W der Kassiopeia -- der winterliche Polweiser -- dem Zenit nähert.
Dunkle Abende zeigen den schrägen Verlauf der Milchstraße von Nordosten (Stier, Perseus) über den Zenit (Cassiopeia, Kepheus, Schwan) in Richtung Südwesten (Adler, Schildwolke) bis zum untergehenden Schützen. Denn die Ebene unserer Galaxis verläuft 65° quer zum Himmelsäquator.


Sonnenbahn und Dämmerung

Im November verkürzt sich der helle Tag von 10 auf 8,7 Stunden. Der Sonnenaufgang in Wien ändert sich von 6:39 auf 7:22 Uhr, der Sonnenuntergang von 16:36 auf 16:03 MEZ. Die Auf- und Untergänge sind im Westen Österreichs je nach geografischer Länge später, in Innsbruck z.B. um 20 Minuten.

Anfangs ist es bereits gegen 18h völlig dunkel, zu Monatsende währt die tiefe Nacht schon 12 Stunden. Die bürgerliche Dämmerung (Sonnentiefe 6°, Lesen im Freien möglich) dauert etwa 33 Minuten, die nautische (-12°, am Meer sind Horizont und helle Sterne sichtbar) weitere 38 Minuten. In der anschließenden astronomischen Dämmerung (Sonne -12 bis -18°) wird der Himmel in Stadtnähe aber kaum mehr dunkler.


Der Abendhimmel im November

Wenn es zur Monatsmitte um 17:30 MEZ dunkel genug ist, zeigt im Nordwesten die Deichsel des Großen Wagens nach links zum orangefarbigen Arktur (α Bärenhüter) in 5-10° Höhe. Links oberhalb von Arktur finden wir den mit Gemma verzierten Halbkreis der Krone und darüber den unscheinbaren Herkules, auf den die Augen des Drachen herabfunkeln. Das Sommerdreieck Leier-Schwan-Adler hat sich schon Richtung Südwesten geneigt. Im Südosten steigt die Fünfsternreihe mit den oberen Sternen des Pegasus-Quadrats, der Andromeda und dem Perseus empor. Der Große Wagen steht knapp über dem Nordhorizont, während sich das W der Kassiopeia -- der winterliche Polweiser -- dem Zenit nähert. Für einen Überblick können Sie hier den Herbsthimmel anklicken.

Zwei Stunden später kulminiert das mythologische Himmelspferd Pegasus -- es segelt allerdings verkehrt über den Himmel. Sein Leib ist das große Quadrat, Hals und Kopf verlaufen von den zwei tieferen Sternen nach rechts. Dort könnten seine Hufe wegen des "himmlischen Feuchtbiotops" (Wassermann, Fische, Cetus) ohnehin nicht aufsetzen. Darunter leuchtet Fomalhaut (α im Südlichen Fisch) -- ein weißer Riesenstern mit zwei Begleitern, einer Staubscheibe und dem 2008 entdeckten Exoplaneten Dagon.

Die Milchstraße sieht man in Stadtnähe wegen der immer noch zunehmenden Lichtverschmutzung leider kaum mehr. Dafür ist eine Grenzhelligkeit von mindestens 4 mag erforderlich, was z.B. beim Sterngarten im Südwesten Wiens und im Norden von Linz oder Salzburg möglich ist. Der Tagungsbericht wird dazu einige Daten bringen.
Der Schütze (galaktisches Zentrum) ist zwar schon untergegangen, die Schildwolke darüber ist aber noch bis 19h sichtbar. In jedem Fall kann man von dort aus mit einem Feldstecher der Sternenfülle nachgehen -- über den Adler und Schwan bis zur zenitnahen Kassiopeia und dem Perseus im Nordosten. Dort ist auch der junge Doppelsternhaufen h/Chi Persei zu finden.

Um 22 Uhr kommen im Osten Orion und Zwillinge empor, darüber Stier und Fuhrmann. Gegen Mitternacht wird mit Sirius der letzte Stern des großen Wintersechsecks sichtbar. Man findet ihn in der Verlängerung des Oriongürtels nach links unten.

Sichtbarkeit der großen Planeten
• Mit dem Merkurdurchgang am 11. November (Sterngarten-Führung von 13 bis 16 Uhr) wechselt der kleinste Planet auf die Westseite der Sonne und wird ab 18.-20.11. am Morgenhimmel sichtbar.
• Venus entfernt sich langsam von der Sonne (von 20° auf 27°) und ist immer besser als Abendstern zu sehen. Zur Monatsmitte geht sie in Wien um 17:27 unter, 70 Minuten nach der Sonne.
• Mars steht am Morgenhimmel in 20-30° Sonnenabstand, ist aber mit 2 mag kaum zu entdecken.
• Jupiter im Schlangenträger und Schützen verlagert seine Untergänge von 18:50 auf 17:20 MEZ und daher nur mehr blass zu sehen.
• Saturn im Schützen folgt Jupiters Bahn anderthalb Stunden später. Zur Monatsmitte geht er um etwa 19:45 unter.
o Am 2.11. um 8h zieht der Mond knapp südlich an ihm vorbei. Die Konjunktion zu Monatsende ist freiäugig bereits unauffällig.
o Saturns größter Mond Titan (7.Größe) steht am 7. und 23.11. in östlicher Elongation, am 15.11. und 1.12. am weitesten westlich.
• Mangels hellerer Planeten sind nun Uranus und Neptun die "Stars der Nacht":
• Uranus im Widder und Neptun im Wassermann sind teleskopisch ab der späten Dämmerung zu beobachten. Die Scheibchen der zwei Eisriesen messen 3,6" bzw. 2,5" und sind schon in kleinen Fernrohren von Sternen zu unterscheiden. Zur Monatsmitte kulminieren sie um 22:30 bzw. 19:30 Uhr. Uranus kam am 28.10. in Opposition, Neptun im September.
Mondphasen: Erstes Viertel 4.11., Vollmond 12.11., Letztes Viertel 19.11., Neumond 26.11.


Für Anfänger in der Astronomie:
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Die Rubriken
News aus der astronomischen Forschung und Raumfahrt
und
Interessante Beobachtungsobjekte im November
(Konjunktionen, Sternbedeckungen, Kleinplaneten, Meteorströme)
folgen heute Abend. Dazu sei auf den Sterngarten-Termin für Mondsichel und Erdlicht am 2.11. um 17:15 hingewiesen.


Sternwarten und Astrovereine Wien & NÖ

Kuffner-Sternwarte (1160 Wien): http://kuffner-sternwarte.at/index.php
Urania-Sternwarte und Planetarium: https://www.vhs.at/de/e/planetarium
WAA (Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie): https://www.waa.at
Antares (St. Pölten) und Sternwarte Michelbach: http://www.noe-sternwarte.at/
Astr. Arbeitskreis Amstetten: http://www.amstetten.noe.gv.at/Arbeitskreise.335.0.html
Leiserberge-Sternwarte: http://www.leiserbergesternwarte.at
Leitzersdorf, Astronom. Gesellschaft: http://agl.or.at
Martinsberg, Sternwarte Orion: http://www.sternwarte.wvnet.at
Sauerbrunn, Burgenländische Amateurastronomen: https://www.alrukaba.at
Naturhistorisches Museum, Meteor-Radar im Saal 5: http://www.nhm-wien.ac.at/forschung/min ... hie/meteor


Auf rege Inanspruchnahme der Angebote und auf interessante Kontakte freut sich

Dr. Gottfried Gerstbach
1. Vorsitzender des ÖAV
Laadoc
 
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