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Dr. Gottfried Gerstbachs Himmelsvorschau Jänner 2019

BeitragVerfasst: So 30. Dez 2018, 11:58
von Laadoc
Dr. Gottfried Gerstbachs Himmelsvorschau
Liebe Mitglieder des Österreichischen Astronomischen Vereins, liebe Sternfreunde!

Gestern wurde das Halbjahres-Programm 2019-1 des Astrovereins an die Mitglieder und Spender versandt. Der Folder enthält erstmals Fotos und alle Angebote des ÖAV, sodass er auch für Werbung verwendbar ist. Falls Sie das Programm an Interessenten oder Freunde senden wollen -- eine PDF-Version mit 3 Seiten A4 liegt bei.

Im Jänner hat der Astroverein nur zwei Termine: am 12.1. (Dr. Kurt Descovich über Gravitationswellen) und am 21.1. frühmorgens die Mondfinsternis und die Konjunktion Venus/Jupiter.
Weil sich viele Sternfreunde im Winter auf freiäugiges Beobachten beschränken, setze ich heute den Schwerpunkt darauf.

Der Abendhimmel im Jänner

Im Jänner wächst der helle Tag von 8,4 auf 9,5 Stunden. Der Sonnenuntergang in Wien ändert sich von 16:11 auf 16:52 Uhr; der früheste um 16:00 war schon am 12.12., der späteste Sonnenaufgang ist zu Neujahr um 7:45 Uhr.

Gegen 17:30 Uhr (nautische Dämmerung) tauchen im Osten zwei Vorboten des Wintersechsecks auf: die helle Capella im Fuhrmann und der rote Aldebaran im Stier. Im Westen ist, bereits schräg, noch das große Sommerdreieck Schwan-Leier-Adler zu sehen. Rechts der hellen Wega (α Lyrae) glühen die Augen des Drachen, dessen Z-förmiger Körper sich zum tief im Norden stehenden Großen Wagen windet.
Hoch im Süden stehen Andromeda und Pegasus (Herbstviereck), und fast im Zenit die Andromeda-Galaxie M31. Sie ist bei dunklem Himmel mit freiem Auge sichtbar. Ihr elliptischer Kern ist so hell, dass man ihn im Feldstecher auch in der Stadt erkennen kann. Wenn nicht, schreiben Sie Ihrem Bürgermeister und dem Magistrat, dass die Straßenbeleuchtung spätestens um 22h gedämpft wird!

Unter Andromeda und dem Pegasus-Quadrat stehen die schwachen Sternbilder Fische und Cetus (Wal). Im SSW in 10° Höhe funkelt Fomalhaut, der hellste Stern im südlichen Fisch. Großteleskope konnten einen Staubring und einen jupitergroßen Exoplaneten nachweisen. Im Zenit leuchtet das W der Cassiopéia.15° tiefer (östlich), auf halbem Weg zur Sternenkette im Perseus, erkennen gute Augen ein Nebelfleckchen -- den Doppelsternhaufen h/Chi. Im Fernglas sind 10-20 Sterne zu erkennen, im Teleskop mehrere hundert.

Um 20 Uhr steht Capella bereits 70° hoch im Osten, darunter die Zwillinge Castor & Pollux. Durch beide Sternbilder steigt steil die Milchstraße empor, genau durch den Zenit (Perseus) und weiter zur Cassiopeia und zum Schwan im Nordwesten. Stadtbewohner sehen die Milchstraße fast nie, aber nur 10 km westlich von Wien -- unserm Beobachtungsplatz am Friedhofshügel Tullnerbach -- lässt sich das leicht nachholen.
Im Südosten steigt der himmlische Jäger Orion empor. Unter den drei Sternen seines Gürtels ist freiäugig der Orionnebel M42 als diffuser Fleck zu erkenne -- ein riesiges Sternentstehungsgebiet in 1600 Lichtjahren Distanz. Langzeitaufnahmen zeigen rund um das Sternbild viele rötlich leuchtende Wasserstoffwolken, in denen jedes Jahr 1-2 neue Sterne entstehen.

Gegen 21 Uhr kulminieren die zwei bekannten Sternhaufen im Stier: die Hyaden als V beim roten Aldebaran, und rechts oberhalb die Plejaden mit ihren 5-6 dicht gedrängten Sternen. Ein scharfes Auge kann sogar 8-10 Sterne erkennen, insgesamt sind es 500.
Inzwischen steigt im Nordosten der Große Wagen empor. Seine oberen Kastensterne zeigen nach links zum Polarstern, seine unteren nach rechts zum aufgehenden Löwen. Im Südosten strahlt Sirius, der hellste Stern am Himmel, in der Verlängerung des Oriongürtels. Er ist 2x größer als unsere Sonne und 8 Lichtjahre entfernt. Manchmal funkelt er in allen Farben, weil die Luft die Bestandteile seines weißen Lichts unterschiedlich bricht. Sein kleiner Begleiter Sirius B war der erste, 1862 entdeckte weiße Zwerg. Bessel hatte ihn schon 1844 vermutet, weil er an Sirius winzige Positionsschwankungen feststellte.

Sichtbarkeit der großen Planeten
• Merkur ist wegen Sonnennähe unsichtbar.
• Venus ist strahlender Morgenstern und am besten 4 bis 7 Uhr zu sehen. In der Nacht auf 2.1. zieht die abnehmende Mondsichel 1° nördlich vorbei.
• Mars in den Fischen ist noch einige Monate abends zu sehen, derzeit um 18h etwa 40° hoch im Südsüdwesten. In seinem noch erdnahen Bahnstück läuft er scheinbar vor der Sonne davon, die ihn erst im Sommer "einholt". Sein Scheibchen schrumpft von 7,4 auf 6" und zeigt auch bei 300-facher Vergrößerung kaum mehr Details.
• Jupiter steht seit Dezember am Morgenhimmel zwischen Skorpion und Schlangenträger. Zur Monatsmitte geht er um 5h auf und kulminiert gegen 9h. Am 9.1. und 16.1. um 6 bzw. 8h zieht sein Mond Io vor ihm vorbei. Konjunktionen mit dem Mond sind am 3. und 31. Jänner.
• Saturn steht jenseits der Sonne und wird erst am Monatsende sichtbar.
Uranus ist als Sternchen 6. Größe vom Widder in die Fische gewandert und im Fernglas bis Mitternacht zu sehen. Im Teleskop ist sein Scheibchen von 3.5" ab 100x Vergrößerung zu erkennen. Neptun im Wassermann findet man 40° weiter rechts, 2.4" klein am Himmel der ersten Nachthälfte.


Für Anfänger in der Astronomie
* Hermann Mucke: Himmelskunde im Freiluftplanetarium Wien (Weltall, Planeten, Beobachtung, Sternkarten), 10 € bei Führungen oder Zusendung um 13,30 € (siehe AV-Folder)
* Sven Melchert: Alles über Astronomie , um 10 € im Kosmos-Verlag 2017
* Sky & Telescope: Astronomy for Beginners bzw. die wichtigsten Grundbegriffe (engl.)
* und zum Drüberstreuen 30 unglaubwürdige Fakten zum Weltall: https://www.youtube.com/watch?v=u2dTM45D83E

Einige weitere Tipps:
* Die Villa Fantastica (1130 Wien, Neue Weltg.12) -- Phantastisches, Science Fiction und auch Astronomie (Entlehnung gratis)
* Der Kalender Sterne, Mond, Planeten, ein handlicher Jahresplaner um 9,90 € von Maria Pflug-Hofmayr ("Der Orion")
* Wenn dich die Kosmologie des Frühen Universums interessiert -- Spektrum-Sonderseiten um 5 € zu folgenden Themen:
Urknall (3 Artikel), universale Zukunftsformel, Galaxienhaufen im Modell, frühe Schwarze Löcher, Quasare und Antimaterie
* Ein Video von Alexander Gerst aus der ISS-Raumstation: https://www.youtube.com/watch
* Astronomie-Geschichte: Hubble, Einstein, Lemaitre -- Wer entdeckte die Expansion des Universums wirklich?


Neuigkeiten aus der astronomischen Forschung und Raumfahrt:

* 31.12. Pluto-Sonde New Horizons nähert sich dem Kuiper-Objekt "Ultima Thule"
* 27.12. neuer CERN-Detektor für solare Neutrinos: Deep Underground Neutrino Experiment (DUNE)
* 21.12. Insight: das Seismometer SEIS steht auf dem Marsboden -- Messungen ab Jänner
* 20.12. Dunkle Materie: Distribution of Dark Matter by HST Images of Galaxy Clusters
* 18.12. rapider Masseverlust: verschwinden die Saturnringe in 100 Millionen Jahren?
. . . . . . . vermutet wurde es aber schon 2005 durch Cassini-Messungen
* 18.12. statt gesuchtem Planet X: fernstes KBO-Objekt mit 930 Jahren Umlaufzeit
* 14.12. viele Exoplaneten groß & klein -- aber heiße Neptune selten (Gliese 3470b)
* 11.12. Mars-Sonde Insight erkundet die Elysium-Ebene
* 09.12. Chinesische Raumsonde Chang'e-4 umrundet den Mond -- Landung auf Rückseite am 3.Jänner
* 05.12. Rückschlag für Dunkle-Materie-Signal -- umstrittene Resultate der Dama-Libra-Gruppe
* 03.12. Rendezvous mit der Urmaterie: OSIRIS-Rex beim Kleinplaneten Bennu (2014 MU69)


Interessante Beobachtungsobjekte im Jänner (siehe auch Österr. Himmelskalender 2019), Zeiten in MEZ

Mondphasen: Neumond 6.1. (Sonnenfinsternis im Nordpazifik), Erstes Viertel 14.1., Vollmond 21.1. (totale Mondfinsternis, ab 4:20 im Sterngarten Georgenberg!), Letztes Viertel 27.1.

Totale Mondfinsternis: Mo 21.1.:
Freisichtig ab ca. 4:17 Uhr, Kernschatten ab 4:34, Totalität 5:41 bis 6:43 (Monduntergang 7:46)
Gemeinsame Beobachtung im Sterngarten Georgenberg 4:20 bis 6:50, siehe unten!

Konjunktionen:
* 01.1., 23h: Venus 1,3° südlich der Mondsichel -- am 2.1. vor 7h ein schönes Fotomotiv!
* 03.1., 9h: Jupiter 3° südlich des Mondes (Aufgang ca. 5:40)
* 06.1., 6h: Venus westliche Elongation mit 47°
* 10.1., 23h: Neptun 3° nördlich des Mondes
* 12.1., 21h: Mars 5° nördlich des Mondes (stehen um 17h im Süden)
* 14.1., 13h: Uranus 5°nördlich des Mondes
* 22.1., 7h: Venus nur 2° nördlich des Jupiter -- ab 5h im Südosten!
* 31.1., 1h: Jupiter 3° südlich der Mondsichel
* und um 19h Venus 0,1° südlich (Venusbedeckung über dem Pazifik)

Helle Sternbedeckungen durch den Mond:
Wer es noch nie beobachtet hat: die Plötzlichkeit des Verschwindens ist immer überraschend ...

15.1. My Ceti (4.4 mag) Wien 17:47,6 (Anfang, dunkler Mondrand), bzw. Innsbruck 17:41,3 Uhr
19.1. Chi1 Ori (4.6 mag) Wien 03:39,7 (Anfang, 2 Tage vor Vollmond), bzw. Innsbruck 03:40,8
20.1. Zeta Gem (3.7 mag) Wien 06:00,4 (knapp vor Untergang), bzw. Innsbruck 06:05,1
und am 2.2. die Saturn-Bedeckung von 06:44 bis 07:40 , bzw. Innsbruck 06:36-07:36 Uhr.

Kleinplaneten bis 9 mag: 4 Vesta 8 mag; 1 Ceres, 2 Pallas, 6 Hebe, 433 Eros je 9 mag (go.nasa.gov/2JYteu9)
Enge Begegnungen mit Sternen: Vesta 3.1. um 4h 45' N von Phi Cap (5.4 mag) ; Eros 6.1. um 23h 26' W von 53 Per (4.9 mag) ; Pallas 11.1. um 4h 14' N von 80 Vir (5.7 mag) ; Hebe 20.1. um 8h 42' S von My Ori (4.2 mag) ; Ceres 27.1. um 15h 13' N von 48 Lib (4.7 mag)

Komet 46P Wirtanen:
ursprüngliches Zielobjekt der ESA-Kometensonde Rosetta, die wegen einer Startverzögerung auf "Tschuri" umgeplant wurde.
Am 16.12. freiäugig mit Helligkeit ~4 mag nahe der Plejaden (z.B. Fotos vom Gahberg, OÖ) und am 23.12. bei Capella, zieht Wirtanen nun mit 5 mag vom Fuhrmann zum Großen Bären und ist zirkumpolar -- gegen Mitternacht fast im Zenit.
Bahnelemente & Helligkeit hier, Jänner-Ephemeride, in-the-Sky Aufsuchkarte.

Meteorströme:
* Quadrantiden: drittstärkster Strom des Jahres, Radiant zwischen Bootes und Drache (um 1 Uhr im Nordosten), 28.12. bis 12.1., scharfes Maximum 3./4. Jänner gegen 2h, stündlich ca. 30-100 Meteore.
* Ursae Minoriden: 10.1. bis 22.1., Maximum 18.1., 2-3 pro Stunde. Beide Ströme siehe Meteorkalender 2019.


Jänner-Termine des Österreichischen Astronomischen Vereins


Sa, 12. Jänner 2019, 19 Uhr
Stadtlokal, 1010 Walfischg.12, Festsaal Alpenverein Edelweiß, 1.Stock
Gravitationswellen aus der Sicht eines Physikers
Dipl.-Ing. Kurt Descovich, Wien/Allentsteig
Mo, 21. Jänner 2019, 4:20 bis 6:50 Uhr
Freiluftplanetarium Sterngarten Georgenberg,
Wien 23, hinter der Wotruba-Kirche
Totale Mondfinsternis (Kernschatten ab 4:34, total ab 5:40)
und Konjunktion Venus-Jupiter am Morgenhimmel
Dr. Gottfried Gerstbach et. al.
(danach gemeinsames Frühstück geplant)

* Junge Beobachtergruppe: bei Schönwetterperiode 1 Termin möglich (evtl. Rundschreiben), Friedhofshügel über Tullnerbach.
* Sonstige Angebote des Österreichischen Astronomischen Vereins: Aufgaben und Ziele des ÖAV
* Am 18. Jänner 13-15h gibt es wieder astronomische Kurzvorträge an der TU Wien, Details kommen 1 Woche vorher!


Sternwarten und Astrovereine Wien & NÖ

Kuffner-Sternwarte (1160 Wien): http://kuffner-sternwarte.at/index.php
Urania-Sternwarte und Planetarium: https://www.vhs.at/de/e/planetarium
WAA (Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie): https://www.waa.at
Antares (St. Pölten) und Sternwarte Michelbach: http://www.noe-sternwarte.at/
Astr. Arbeitskreis Amstetten: http://www.amstetten.noe.gv.at/Arbeitskreise.335.0.html
Leiserberge-Sternwarte: http://www.leiserbergesternwarte.at
Leitzersdorf, Astronom. Gesellschaft: http://agl.or.at
Martinsberg, Sternwarte Orion: http://www.sternwarte.wvnet.at
Sauerbrunn, Burgenländische Amateurastronomen: https://www.alrukaba.at
Naturhistorisches Museum, Meteor-Radar im Saal 5: http://www.nhm-wien.ac.at/forschung/min ... hie/meteor


Auf rege Inanspruchnahme der Angebote und auf interessante Kontakte freut sich

Dr. Gottfried Gerstbach
1. Vorsitzender des ÖAV


Liebe Sternfreunde!

Morgen, Samstag 12. Jänner, um 19 Uhr ist im Edelweiß-Festsaal (Wien 1, Walfischgasse 12) der Vortrag von Kurt Descovich über ein sehr aktuelles Thema: "Gravitationswellen aus Sicht eines Physikers".
Der Vortragende hat die Gabe, das spektakuläre Thema mit feinem Humor zu würzen. Lassen Sie sich das nicht entgehen!

Am Freitag, 18.Jänner, um 12:45 bis ca. 14:30 halten die TU-Studenten meiner Vorlesung "Astronomie" wie jedes Semester ihre Kurzvorträge: 1040 Gußhausstraße 27-29 (Ecke Favoritenstraße) 3. Stock im Trakt C, Seminarraum 124. Ich würde mich freuen, wenn wieder einige Mitglieder des Österreichischen Astronomischen Vereins zuhören kommen und die Diskussion beleben. In zwei Stunden werden Sie selten so vielfältige Vortragsthemen hören:

* Astronomische Navigation
* Theorien zur Entstehung des Mondes
* Erste Landung auf der Mondrückseite
* Kollision von Satelliten und Monden
* Sonnenfleckenzyklus und Jahresringe
* Besonderheiten an den Polen des Saturn
* Great historic meteorite falls
* Meteoritenfälle im 20. und 21. Jahrhundert
* ESA/NASA-Missionen 2020-30
* Detektion von Exoplaneten

Nicht vergessen: die Mondfinsternis am 21. Jänner -- ein Gustostückerl für Frühaufsteher
Es ist die letzte totale Mondfinsternis in den nächsten 10 Jahren, die bei uns sichtbar ist.
Die Führung im Sterngarten beginnt um 4:20 Uhr und endet mit der Beobachtung der Konjunktion Venus/Jupiter am Morgenhimmel. Ich hoffe, dass danach ein gemeinsames Frühstück in den Räumen der Pfarre Wotrubakirche möglich ist.

So wie im vergangenen Juli wird der "Blutmond" lange beobachtbar sein, aber etwas näher und höher stehen als damals. Währen der Totalität (5:41 bis 6:43 Uhr) steht der Mond im Westen, gut sichtbar in einer Höhe von etwa 20 Grad.

Interessant wird es schon um 4:34, wenn der Kernschatten der Erde den linken Mondrand "anknabbert". Nach 5 Uhr sieht man eine Sichel wie beim Halbmond, ebenso um etwa 7:15, wenn die andere Mondhälfte wieder ins Sonnenlicht kommt. Kurz danach geht der Mond im Westnordwesten unter.

Bei bedecktem Wetter erkläre ich als "Ersatz" den Sterngarten und seine vielfältigen Funktionen.

Gottfried Gerstbach