Gottfried Gerstbachs Himmelsvorschau April 2021

Gottfried Gerstbachs Himmelsvorschau April 2021

Beitragvon Laadoc » Mo 5. Apr 2021, 10:52

Liebe Mitglieder des Österreichischen Astronomischen Vereins, liebe Freundinnen und Freunde des Sternhimmels!

"Das Schöne am Frühling ist, dass er immer dann kommt,
wenn man ihn am dringendsten braucht." (Jean Paul)

Unser traditioneller Frühlingsbeginn am 20.3. im Sterngarten Georgenberg musste diesmal online stattfinden – aber dafür mit noch größerer Teilnahme als sonst. Die Ausführungen von Caroline Posch-Primes und Franz Vrabec zu den Themen Frühlingsbeginn, Sonnenbahn und Sonnenuhren können Sie hier im Video nachhören.

Dabei kam auch das Planetariumsprogramm Stellarium zum Einsatz. Wie nützlich es auch in anderen Bereichen wie Archäologie oder Astronomiegeschichte ist, beschreiben Georg Zotti et al. im Artikel The Simulated Sky.

Programm des Astrovereins

Wegen der Corona-Maßnahmen finden unsere Termine derzeit als Zoom-Konferenzen statt:
• Sa 10.4., 19:00 Maria¬ Pflug-Hofmayr: Frühling am Sternhimmel – mit Sagen um Zwillinge, Löwe und Haar der Berenike. Bitte hier anmelden.
• Fr 16.4., 19:00 Gottfried Gerstbach: Mit dem Fernrohr ins Weltall eintauchen – wie der Stadthimmel zum Erlebnis wird. Bitte hier anmelden.
• Fr 23.4., 19:00 Norbert Frischauf¬ (CERN):¬ Schneller¬ als¬ das¬ Licht¬ –¬ Die¬ Physik¬ hinter¬ Star¬Wars,¬ Star¬Trek¬ und¬ Co. Bitte hier anmelden.
Sonnenbahn und Dämmerung
Im April wächst der helle Tag abermals stark: von 12,8 auf 14,5 Stunden. Der Sonnenaufgang in Wien verschiebt sich von 6:33 auf 5:37 MESZ, der Sonnenuntergang von 19:25 auf 20:07 Uhr. Im Westen Österreichs sind die Auf- und Untergänge je nach geografischer Länge später, in Innsbruck z.B. um 20 Minuten.
Völlig dunkel ist es um etwa 21h, gegen Monatsende um 22h MESZ. Die tiefe Nacht währt weniger als 7 Stunden – deswegen finden die Messier-Marathons immer Ende März statt. Die bürgerliche Dämmerung (Sonnentiefe 6°, Lesen im Freien möglich) dauert im April nur 33 Minuten, die nautische (-12°, am Meer sind Horizont und helle Sterne sichtbar) weitere 39 Minuten. Abermals 45 Minuten später (-18°, astronomische Dämmerung) tritt völlige Dunkelheit ein, jedoch nur fern von Siedlungsgebieten.
Die Dämmerung ist relativ kurz, weil die Sonne fast so steil wie im März untergeht.
Sehr gut lässt sich das in unserm
"Freiluftplanetarium"
Sterngarten Georgenberg beobachten, wo 7 Masten den Verlauf der Sonnenbahn vom Aufgang über die Kulmination bis zum Untergang markieren. Diese traditionellen Beobachtungen im Sinne Hermann Muckes sind auch in Zeiten der Corona-Krise möglich, wenn Sie voneinander 2 Meter Abstand halten.


Der Abendhimmel im April

Wenn es zur Monatsmitte um 20:30 MESZ dunkel genug ist, sehen wir im Südwesten noch das ganze Wintersechseck rund um Orion. Der strahlende Sirius in knapp 20° Höhe funkelt in allen Farben, Capella in 55° aber kaum. Das hat mit der Luftunruhe zu tun, weil das Licht horizontnaher Sterne einen längeren Weg durch die Atmosphäre hat.
In diesen zwei
Sternen hat das Wintersechseck etwa 90°, die 4 anderen Winkel sind entsprechend größer. Mars wandert vom Stier langsam ins Zentrum des Sechsecks und ist noch fast so hell wie der ähnlich rötliche Aldebaran. Was sonst am Sternhimmel zu sehen ist, zeigt die Titelseite unserer Homepage – wahlweise mit oder ohne Sternbilder – und die Sternkarte für 9 Uhr Sternzeit.

Der rote Riese Beteigeuze (α Orionis) steht noch 30° hoch und hat wieder seine frühere Helligkeit. Absolut ist er 50.000 mal heller als die Sonne. Zwischen ihm und dem blauen Riesen Rigel rechts darunter liegen die drei Gürtelsterne genau waagrecht, während sie beim Aufgang senkrecht stehen. Sie zeigen nach links zum funkelnden Sirius. Dessen schwacher Begleiter Sirius B (8.5 mag) wurde als erster Weißer Zwerg 1862 entdeckt.
Reizvolle Sternhaufen:
Bei dunklem Himmel lässt sich im Westen noch die winterliche Milchstraße mit vielen Offenen Sternhaufen beobachten, die Geburtsstätten relativ junger Sterne. In 20-25° Höhe stehen die Plejaden und Hyaden im Stier – beide im Feldstecher ein Genuss! Im Teleskop empfiehlt sich ein Vergleich der 4 Sternhaufen M35 bis M38, zwischen Fuhrmann und den Zwillingen. Jeder der Vier zeigt seine 50 bis 200 Sterne ganz anders: strahlend oder zart schimmernd, in Kreuzform oder wie ein langbeiniger Käfer. Bereits freiäugig ist zwischen Kassiopeia und Perseus der Doppelsternhaufen h/Chi Persei zu erkennen. Das herrliche Objekt ist zirkumpolar und immer mein Abschluss einer langen Beobachtungsnacht am Teleskop.

Während sich nun im Nordwesten Perseus, Cassiopeia und die hellsten Teile der Milchstraße verabschieden, steigen im Südosten Löwe und Jungfrau empor.

Gegen 21:30 Uhr kulminiert Regulus, der Hauptstern des Löwen. Als ekliptiknaher Stern wird er oft vom Mond bedeckt, alle 85 Jahre sogar von der Venus. Etwa 20° rechts steht der unscheinbare Krebs und mittendrin der helle Sternhaufen M44, die Praesepe (Krippe). Die zwei Sternchen daneben heißen nördlicher und südlicher Esel. Im Zentrum des nahen, über 1° großen Sternhaufens zeigt schon ein kleines Fernrohr das funkelnde Schmuckkästchen mit 4-5 engen Doppelsternen.
Über Regulus sollte man sich auch den farbenfrohen Doppelstern Algieba (γ Leonis) ansehen, sowie die Spiralnebel-Paare M65/66 und M95/96. Ihnen folgt der Virgo-Galaxienhaufen, siehe unten.

Bald erreicht nun der Große Wagen den Zenit. Genau in der Verlängerung γ ➔ α UMa findet man schon im Feldstecher das helle Galaxienpaar M81/82. Der "Zigarrengalaxie" M82 sieht man noch die Folgen einer früheren Begegnung mit M81 an: eine ungewöhnliche Starburst-Region in ihrer Mitte.
Der Deichselschwung des Wagens weist zum orangefarbenen, relativ nahen Arktur (α im Bootes). An ihm ist schon früh die Eigenbewegung (0,1° in 150 Jahren) aufgefallen. Dem Kreis weiter nach unten folgend kommt man zur fernen, blauweißen Spica, mit 22.000° fünfmal heißer als Arktur.

Um 24 Uhr kulminiert der Virgo-Haufen, wo schon ein Achtzöller über 20 Galaxien zeigt. Er liegt im Schwerpunkt des Frühlings-Dreiecks Regulus-Arktur-Spica. Darunter sehen wir in 20-25° Höhe das markante Viereck des Raben.

Zwischen 2 und 3 Uhr erreichen Arktur und die zierliche Krone den Meridian, während im Osten das große Sommerdreieck emporsteigt. Eine Stunde später tauchen im Südwesten die Riesenplaneten Saturn und Jupiter auf. Seit ihrer Großen Konjunktion im Dezember haben sie sich schon 12° voneinander entfernt.


Sichtbarkeit der großen Planeten
• Merkur steht jenseits der Sonne. Erst Anfang Mai wird er am Abendhimmel sichtbar. Am 25.4. wandert er 1,3° nördlich an Venus vorbei.
• Venus ist heuer kaum zu beobachten. Ende April erreicht sie 9° Elongation und ist allenfalls im Feldstecher aufzufinden.
• Mars wandert vom Stier in Richtung Zwillinge und ist nun durch zunehmende Entfernung etwas schwächer als Aldebaran (α Tauri) geworden, an dem er Ende März vorbeizog. Am 17.4. wandert der Mond knapp südlich vorbei.
• Jupiter wechselt vom Steinbock in den Wassermann und steht ebenso wie Saturn am frühen Morgenhimmel, tief im Südosten. Anfangs geht er um 5h Sommerzeit auf, zu Monatsende um 3h20. Am 7.4. wandert die abnehmende Mondsichel 5° südlich an ihm vorbei. Die Beobachtung der Jupitermonde wird erst im Mai interessant.
• Saturn im Steinbock geht Jupiter etwa 50 Minuten voraus – die gegenseitige Distanz hat seit der großen Konjunktion zu Weihnachten auf 12° zugenommen. Im Stadtdunst ist der Ringplanet freiäugig nur am 6.4. leicht zu finden, 5° oberhalb der Mondsichel.
• Uranus im Widder und Neptun im Wassermann stehen jenseits der Sonne und bleiben bis Juli bzw. Juni unbeobachtbar.
• Vesta als hellster Kleinplanet beendet ihre Oppositionsschleife bei Theta im Löwen, hat aber nur mehr 6.7 mag.
Mondphasen:
Letztes Viertel am Ostersonntag 4.4., Neumond (Nr.1216) Mo 12.4., Erstes Viertel Di 20.4., Vollmond Di 27.4.
Neulicht (erste abendliche Mondsichel) am 13. oder 14.4., bestes Erdlicht (Widerschein der "Vollerde" am Mond) am 15.3.

Konjunktionen (Zeiten in MESZ):
• 06.4., 11h: Mond 4,0° südlich von Saturn; um 5h Abstand ca. 6°
• 07.4., 10h: Mond 4,4° südlich von Jupiter
• 12.4., 12h: Mond 3,0° südlich von Venus (wegen Sonnennähe unsichtbar)
• 17.4., 14h: Mond knapp südlich von Mars; um 21h Abstand 3°
• 19.4., 04h: Merkur in oberer Konjunktion
• 26.4., 11h: Merkur 1,3° nördlich der Venus (nur 8° östlich der Sonne); um 21h Abstand 1,5°
• 30.4., 22h: Uranus in Konjunktion mit der Sonne.

Sternbedeckungen durch den Mond (in MESZ, am dunklen Mondrand):
Am dunklen Mondrand:

15.4. 50 Tau 4.9 mag Wien 22:46,5 / Innsbruck 22:40,7
19.4. 77 Gem 3.6 mag Wien 20:29,5 / Innsbruck --
28.4. 10 Sco 4.3 mag Wien 23:39,6 / Innsbruck 23:37,0
30.4. 42 Oph 3.3 mag Wien -- / Innsbruck 04:15,1
Weitere Ereignisse: www.astroverein.at/beobachten/astronomi ... esterreich, p.63 ff

Kleinplaneten (bis Nummer 10):
• 4 Vesta (6.4–7.0 mag): Ende der Oppositionsschleife bei Theta im Löwen, Kulmination 23:45–>21:44 MESZ
• 9 Metis (9.5–10 mag) in der Jungfrau, Opposition am 4.4.bei RA 13h05, Dekl +7°
• weitere Daten siehe Minor Planet Center
Enge Begegnungen mit Sternen (Kleinplaneten bis 11 mag, aus Sterne und Weltraum 2021/4)
• 11.4., 05:00 2 Pallas (10.6 mag) 3' westlich von 35 Png (4.5 mag)
Kometen:
• 7P/ Pons-Winneke: vom Schlangenträger zum Adler, 13–>12 mag. Am 12.4. bei NGC 6633, am 24.4. bei 6756
• C/2056 R4 Atlas: 9-10 mag durch Adler-Her-Boo. Am 6.4. bei Del Aql, 12.4. NGC 6709, 23.4. 6085/86, 25.4. 5961 (überdeckt)
• Weitere Kometen auf www.aerith.net/comets ; alle Bahnelemente siehe IAU / Minor Planet Center
Meteorströme:
• Lyriden: 15.-28. April, flaches Maximum 22.4. morgens (helle schon ab 1h), etwa 8-20 schnelle Meteore pro Stunde
• Sigma-Leoniden: 10.4.–10.5., Maximum ca.16.4., nur wenige pro Stunde ➔ ein Fall für Spezialisten (Strom könnte versiegt sein)

News aus astronomischer Forschung und Raumfahrt:
• Keine Spur von Planet Neun – Spektrum d.Wiss. 1.3.21
• Mit 3000° bisher heißester Exoplanet – Sp.d.W. 5.3.21
• Exoplanet GJ 1132 b verlor Atmosphäre & bekam eine neue – Sp.d.W. 12.3.21
• Mars Express: Morgenwolke über Tharsis-Vulkan – Sp.d.W. 10.3.21
• In 1 Milliarde Jahre auf der Erde kein Sauerstoff mehr? – Sp.d.W. 5.3.21
• Fernster Quasar P172+18 mit "Radiojets" – ESO 12.3.21
• Dunkle Materie: Jagd im Milchstraßen-Halo – Sp.d.Wiss. 26.3.
• Radioastronomie: Windmessungen in Jupiters Stratosphäre – ESO/ALMA 26.3.21
• International Dark Sky Week – vom 5.4. bis 12.4.21
• und zum Schluss ein spezieller Genuss: https://www.youtube.com/watch?v=qN0OKLqn5_M

Auf rege Inanspruchnahme der Angebote und auf interessante Kontakte freut sich
Dr. Gottfried Gerstbach
1. Vorsitzender des ÖAV
Laadoc
 
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