Gottfried Gerstbachs Himmelsvorschau Juli 2022

Gottfried Gerstbachs Himmelsvorschau Juli 2022

Beitragvon Laadoc » Do 30. Jun 2022, 10:18

Liebe Mitglieder des Österreichischen Astronomischen Vereins, liebe Sternfreundinnen und -freunde!

Seit der Hauptversammlung am 20. Mai denkt der AV-Vorstand über die nötige Renovierung des Sterngartens Georgenberg nach, und wie die Kosten von über 50.000 Euro zu stemmen sind: Crowdfunding, eine Spendenaktion oder Suche nach Sponsoren.
Wer von Ihnen Tipps zum Crowdfunding, Hinweise auf mögliche Sponsoren oder sonstige Ideen hat, bitte mir zu mailen:
gottfried.gerstbach@gmail.com, Betreff: Renovierung Sterngarten.

Die beiden Juni-Vorträge (Exoplaneten und Milchstraße) hatten lange Zeit nur wenig Anmeldungen, aber dann wurden es doch 42 bzw. 51. Ich freue ich über das große Interesse, besonders weil es im Juni ja immer viele andere Termine gibt!

Zwei der früheren Vorträge sind nun in unserer Videothek:
Prof. Franz Kerschbaum (Kepler und die zweite Erde) und Dr. Gernot Grömer (Expedition Mars)

Unsere Ferien-Termine: (Anmeldung bitte bei Veranstaltungen)
• Fr 1.7., 21:30, Sterngarten: Die schönsten Sternbilder für die Ferien; mit Gottfried Gerstbach. Bitte nehmen Sie, wenn vorhanden, einen Feldstecher mit. Ich freue mich auf viele Fragen und auch darauf, was Sie für Lieblingsobjekte haben!
• Fr 22.7., 20:00, Meditation im Sterngarten. Erika Erber wird uns eine angenehme Stunde bereiten! Bitte Sitzunterlage oder Matte mitbringen. Bei Schlechtwetter Ersatztermin am 29. Juli.
• 12.8. und 13.8. ab 21 Uhr im Sterngarten die Perseiden-Nacht 1 und Nacht 2. Je heller die Sternschnuppe, umso lauter sollen die Kinder jubeln! Gegen Mitternacht sind auch am Stadtrand bis zu 50 Meteore pro Stunde zu erwarten.
• Sa 3.9. ab 19 Uhr: unser alljährliches Picknick unter Sternen, mit Musik, Kurzführungen (auch durch Freunde anderer Astrovereine :-) und viel Gelegenheit zum Kennenlernen und für astronomische Fragen
• Die nächsten Vorträge sind am Do. 8.9. (Astro-Basics 5) und am Fr. 23.9.
• Das Programm 2022-2 kommt Mitte Juli mit der Post.
Monatliches Astro-ABC

Nebelfreie Zone: ein breiter Streifen parallel zum galaktischen Äquator, in dem unsere eigene Milchstraße den Blick nach außen auf andere Galaxien („Spiralnebel“) verdeckt. Die Ursache ist interstellares Gas, vor allem aber der interstellare Staub, obwohl er nur etwa 1% der Masse zwischen den Sternen ausmacht.
An die nebelfreie schließt die nebelarme Zone an. Beide zusammen bewirken, dass insbesondere die Suche nach den nächsten Zwerggalaxien behindert ist. Als erste kannte man daher nur die Große und die Kleine Magellan’sche Wolke, siehe Juni-Newsletter.

Neptun
: der äußerste unserer 8 großen Planeten, der wie Uranus als „Eisriese“ klassifiziert wird. Er besteht wie Jupiter und Saturn überwiegend aus Wasserstoff und Helium, doch handelt es sich durch den hohen Druck im Innern um „heißes Eis“. An der Oberfläche hat er -210°C, strahlt aber im Infrarot 2,4x mehr Energie ab, als er von der Sonne empfängt.
Der Planet ist 4x größer als die Erde (Äquatordurchmesser 49.530 km, Rotationsachse 48.680 km) und hat die 17-fache Masse, sodass die mittlere Dichte 1,76 g/cm3 beträgt (Erde 5,52). Er rotiert je nach Breitenzone in 18,3 bis 17 Stunden,
Seine Bahn um die Sonne ist fast ein Kreis (Abstände 30,01 bis 30,41 AE), die Umlaufzeit beträgt 164 Jahre (Uranus 84 Jahre). Als „letzter“ Planet, entdeckt erst 1846, hat Neptun großen Einfluss auf den Außenbereich des Sonnensystems – zum Beispiel indem er Pluto die genau 1,5-fache Umlaufzeit aufzwingt.

NGC (New General Catalogue of Nebulae & Star Clusters) ist ein 1888 vom Dänen Johan Dreyer publizierter Katalog. Er enthält Koordinaten und weitere Daten von über 7000 Sternhaufen, Nebeln und Galaxien, von denen die meisten mit Teleskopen ab 30 cm Öffnung zu sehen sind. Von ihnen sind die hellsten 100 Objekte auch im für Amateure bekannteren Messier-Katalog enthalten.

Neutronenstern: Das Endstadium eines massereichen Sterns nach einer Supernova-Explosion. Bei dieser kollabiert das Zentralgebiet des Sterns fast im freien Fall, während der Rest davonfliegt. Mit steigendem Druck dringen freie Elektronen in die Atomkerne ein und verwandeln die positiv geladenen Protonen in Neutronen. Bei einer Materiedichte über 1014 g/cm3 (100 Mill.Tonnen pro cm3) bilden sich riesige Atomkerne und dicht gepackte Neutronen, die sich beinahe mit Lichtgeschwindigkeit bewegen [Lexikon der Astronomie]. Statt der theoretisch vermuteten Grenzmasse von 2-3 Sonnen konnte man bisher aber nur Neutronensterne mit 1,2 bis 1,9 Sonnenmassen beobachten. Noch schwerere Sterne enden als Schwarzes Loch.

Sonnenbahn und Dämmerung


Die Sonnenwende war am 21. Juni. Daher nimmt im Juli der helle Tag wieder ab – von 16,0 auf 15,1 Stunden. Der Sonnenuntergang in Wien ändert sich von 20:58 auf 20:32 MESZ. Im Westen Österreichs ist alles je nach geografischer Länge später, in Innsbruck z.B. um 20 Minuten.

Anfangs wird es erst nach 23 Uhr völlig dunkel – und auch das nur für 2–3 Stunden, je nach geografischer Breite. Die meisten Leute schätzen zwar die Sommerzeit, aber im Winter wäre sie sehr nachteilig – nicht nur für Schulkinder.
Erst zu Monatsende ist die Nacht wieder 4 Stunden lang. Die bürgerliche Dämmerung (Sonnentiefe 6°, Lesen im Freien möglich) dauert knapp 40 Minuten, die nautische (-12°, am Meer sind Horizont und helle Sterne sichtbar) weitere etwa 55 Minuten. Der Unterschied zur astronomischen Dämmerung (siehe oben) ist aber in oder nahe einer Stadt kaum merklich.

Der Abendhimmel im Juli

Wenn zur Monatsmitte gegen 22 Uhr genug Sterne zu sehen sind, neigt sich im Westen das Frühlings-Sternbild Löwe dem Untergang zu. In halber Höhe rechts über ihm steht der Große Wagen, dessen kurze Vierecks-Seiten zur Löwenmitte zeigen. Wenn man den Bogen der drei Deichselsterne nach links verlängert, kommt man zum Bootes (Bärenhüter, Rinderhirte) mit dem hellgelben Arktur. An ihm habe schon antike Astronomen die Eigenbewegung festgestellt, etwa 0,1° pro Jahrhundert. Der relativ nahe Stern ist neben Wega (bereits hoch im Osten) der hellste am Nordhimmel. Manchen kommt er wegen seiner Farbe sogar etwas heller vor. Folgen wir dem Deichselschwung weiter, steht im Südwesten 20° hoch die blauweiß strahlende Spica (α in der Jungfrau), die mit 20.000° zu den heißesten Riesensternen zählt.

Für einen Überblick können Sie hier den Sommerhimmel anklicken. Schöner sind unsere Homepage-Sternkarten – z.B. für Sternzeit 17h. Im Süden haben Herkules und Schlangenträger ihren Höchststand erreicht, während Antares, der rote Hauptstern im Skorpion, nur etwa 15° über den Horizont kommt. Im Osten steigt das Sommerdreieck mit der funkelnde Wega (Leier) sowie Deneb im Schwan (liegendes Kreuz) und Atair (α im Adler) empor. Wir werden es bis zum Herbstende sehen können. Rechts vom Polarstern steht der bescheidene König Kepheus, seine stolze Gattin Kassiopeia als "Himmels-W" darunter. Der kleine Bär reckt sich vom Polarstern (α UMi) steil nach oben. In Stadtnähe sieht man aber höchstens 7 Sterne, den Kleinen Wagen. Sie dienen als einfachster Indikator der Lichtverschmutzung: der dritthellste Stern γ hat 3.0 mag, der Sternenbogen zwischen α und β etwa 4.3 mag. Zwischen großem und kleinem Wagen schlängelt sich der Drache hindurch, seine Augen (rot und grünweiß) blicken kampfbereit auf den Herkules (rechts von Wega).

Um 24 Uhr steht die Leier fast im Zenit und tief im Süden der Schütze. Die letzten Jahre wurde er durch Saturn und Jupiter bereichert, die nun schon zu Steinbock und Fischen weiterzogen und am Morgenhimmel stehen. Im Schützen verbirgt sich hinter vielen Sternhaufen und Nebeln in 25.000 Lichtjahren Entfernung das Zentrum unserer Galaxis. Ein schönes Feldstecher-Objekt ist die kleine Sagittariuswolke M24 – eine Art Tunnelblick in eine besonders sternreiche Milchstraßenregion.
Außerhalb der Städte ist nun das Band der Milchstraße am besten zu sehen. Es zieht sich hinauf zur besonders hellen Schildwolke und steil nach links zum Adler und Schwan. Hier bewirken ausgedehnte Dunkelwolken, dass sich die Milchstraße scheinbar in zwei Bänder teilt.

Diese Gegend im Schwan ist für mich das schönste am Sommerhimmel: auf einer Liege, mit einem Feldstecher in der Hand, den tausenden Sternen im Schwan folgen und sich die Tiefen des Universums vorstellen ... Richtung Osten läuft die Milchstraße weiter durch die Sternbilder Kepheus und Kassiopeia. Im Sommer sieht man so deutlich wie nie, dass das galaktische Koordinatensystem mehr als 60° schräg zum Himmelsäquator verläuft.

Wer bis 2 Uhr durchhält, sieht im Osten das Herbstviereck des Pegasus hochkommen, links gefolgt von der Fünfsternreihe, über deren Mitte die Andromeda-Galaxie steht. Sie ist mit 2,5 Millionen Lichtjahren das entfernteste Objekt fürs freie Auge. Bald stehen auch die Gasriesen Saturn und Jupiter im Südosten und zeigen ihre je 4 hellsten Monde. Die täglichen Besonderheiten der Jupitermonde finden Sie auf den Seiten 53 und 57 unseres Astronomischen Almanachs.

Sichtbarkeit der großen Planeten (Auf- bzw. Untergänge aus AAÖ 2022)
• Merkur ist anfangs noch mit dem Feldstecher in der Morgendämmerung zu finden; seit Mitte Juni hat er sich aber der Sonne von 23° auf 16° genähert. Am 16.7. kommt er in obere Konjunktion, am Abendhimmel wird er aber nicht freisichtig.
• Venus geht gegen 3h auf. Ihre Morgensichtbarkeit erreicht im Juli einen zweiten Höhepunkt. So ein Verlauf ist selten, in unseren Breiten aber möglich. Jedenfalls führt Venus die seltene, morgendliche Planetenparade mit Mars, Jupiter und Saturn weiterhin an.
• Mars steht morgens etwa 45-55° rechts der Venus und wechselt von den Fischen zum Widder. Seine Aufgänge für Wien verschieben sich von 1:15 auf 0 Uhr. Am 22.7. zieht der Mond 4° nördlich vorbei.
• Jupiter zwischen Fischen und Cetus (Wal) verfrüht seine Aufgänge von 0:35 auf 22:40 Uhr und setzt bereits Ende Juli zur Oppositionsschleife an. Seine Helligkeit nimmt deutlich zu, das Spiel seiner vier hellen Monde wird zunehmend reizvoll, besonders am 17. und ab dem 23. Juli (siehe AAÖ Seite 52-58).
• Saturn im Steinbock wird allmählich zum Objekt der ganzen Nacht (Aufgänge ca. 23:15–> 21:15 MESZ, Opposition am 14. August). Seine rückläufige Bewegung lässt sich gut am Stern Delta Aquarii 1,4° südlich verfolgen.
• Uranus im Widder wird zu Monatsende am Morgenhimmel sichtbar, Neptun (Fische) geht am späten Abend auf.
Mondphasen:
Erstes Viertel am Do 7.7., Vollmond am Mi 13.7., Letztes Viertel am Mi 20.7., Neumond (Nr.1232) am Do 28.7.
Neulicht (erste abendliche Mondsichel) am 1.7. und 30.7., bestes Erdlicht (Widerschein der „Vollerde“) 1-2 Tage danach.
Konjunktionen (alle Zeiten in MESZ):
• 04.7., 9h: Erde im Aphel (Sonnenferne) – aber nur 1,6% weiter als im Jahresmittel
• 15.7., 22h: Mond 4° südlich von Saturn
• 16.7., 22h: Merkur in oberer Konjunktion („hinter“ der Sonne)
• 18.7., 03h: Mond 3,3° südlich von Neptun
• 19.7., 03h: Mond 2,2° südlich von Jupiter (um 5h Abstand 2,7°)
• 21.7., 19h: Mond 1,1° nördlich von Mars (um 2h Abstand 4,2°)
• 22.7., 08h: Mond 0,3° nördlich von Uranus
• 26.7., 16h: Mond 4° nördlich von Venus (um 5h war Abstand noch 5,5°)
• 29.7., 23h: Mond 3,6° nördlich von Merkur.
Sternbedeckungen durch den Mond

Zwei Sterne heller als 5 mag: 10.7. 19 Sco und 17.7. Tau2 Aqr (in Norddtl. auch Eintritt)
Siehe www.astroverein.at/beobachten/astronomi ... esterreich, p.63-81

Kleinplaneten bis 10 mag:

• 3 Juno (9.0 mag) in den Fischen
• 4 Vesta (6.2 mag) im Wassermann; am 12.7. Beginn der Oppositionsschleife zurück zum Steinbock
• 9 Metis (9.6 mag) Steinbock/ Schütze, 192 Nausikaa (9.7 mag) ebenfalls Steinbock.
Meteorströme:
• erste Perseiden schon ab Mitte Juli (Maximum 12.8.), Radiant anfangs noch südlich der Cassiopeia
• Piscis-Austriniden: ab 15.7., breites Maximum 26.–28.7., aber Radiant (links von Fomalhaut) tief im Süden, daher nur 2-5 Meteore pro Stunde
• Juli-Aquariden (Delta-Aquariden): 12.7. bis 19.8., Maximum 28. oder 29.7. (Mond i Südwesten), etwa 5-10 pro Stunde; mittelschnell, 41 km/s
• Capricorniden: Maximum ebenfalls 29./30.7., einige Tage, mit 23 km/s sehr langsame Sternschnuppen.
Besuchenswerte Sternwarten und Astrovereine in Wien & NÖ:
• Kuffner-Sternwarte (1160 Wien): http://kuffner-sternwarte.at/index.php (veranstaltet auch Beobachtungen im Lichtschutzgebiet Großmugl)
• Urania-Sternwarte und Planetarium: https://www.vhs.at/de/e/planetarium
• WAA (Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie): https://www.waa.at
• Antares (St. Pölten) und Sternwarte Michelbach: http://www.noe- sternwarte.at/
• Astrostation Hochbärneck (ehem. Arbeitskreis Amstetten): http://www.astrostation.at
• Leiserberge-Sternwarte: http://www.leiserbergesternwarte.at
• Leitzersdorf, Astronom. Gesellschaft: http://agl.or.at
• Martinsberg, Sternwarte Orion: http://www.sternwarte.wvnet.at
• Waldviertler Astr. Gesellschaft: http://www.sternwarte-hoehenberg.at
• Sauerbrunn, Burgenländische Amateurastronomen: https://www.alrukaba.at
• Naturhistorisches Museum, Meteorsammlung (Saal 5) und Meteorradar

Mit besten Wünschen für die Sommerwochen,
Dr. Gottfried Gerstbach
Vorsitzender des ÖAV
Laadoc
 
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