Gottfried Gerstbach Himmelsvors hau April 2020

Gottfried Gerstbach Himmelsvors hau April 2020

Beitragvon Laadoc » Mi 8. Apr 2020, 11:16

Liebe Mitglieder des Österreichischen Astronomischen Vereins, liebe Sternfreunde!
Im April waren folgende Veranstaltungen des Astrovereins geplant, die alle vor 3 Wochen abgesagt wurden:
• Mi, 15.4., 13:00 Flughafen Schwechat: Sonderführung „Flugsicherung und Flugwetterdienst“. Maximal 10 Teilnehmer (war in 2 Tagen ausgebucht)
• Fr, 17.4., 20:30 Sterngarten, Peter Reinhard: Sagenhafte Frühlingssternbilder. Von den Zwillingen zu Löwe und Jungfrau
• Sa, 18.4., 19:00 Hauptversammlung und Referatabend, Gerhard Dangl: Was können Amateurastronomen zur Wissenschaft beitragen?
• Fr, 24. und Sa, 25.4. Weinviertler Teleskop¬ treffen; Ort, Uhrzeiten und Ersatztermin bei Schlechtwetter: www.leiserbergesternwarte.at
• Sa, 25.4., 20:00 Tullnerbach: Beobachtungsabend für Mitglieder: Sternhaufen, Galaxien und Doppelsterne am Frühlingshimmel.
• Fraglich sind weiters der 9.5. (W.Hehl "Galileo Galilei kontrovers") und der 16.5. (Exkursion Sternwarte Mitterschöpfl und Traiskirchen).
Von den März-Terminen blieb nur am 9.3. die Sonderführung im Planetarium "Reise zum Südsternhimmel und durchs Sonnensystem". Der Referatabend 14.3. (N.Frischauf "Die Physik hinter Star Wars, Star Trek und Co") und die HV 18.4. wurden auf Herbst verschoben.

Der Tag der Astronomie (28.3.) mit dem Dreigestirn Mondsichel - Venus - Plejaden wurde nicht im Sterngarten gefeiert, sondern hinter vielen Westfenstern, auf Balkonen oder in Gärten. Von den bei mir eingelangten Fotos seht Ihr einige im Anhang.
Sonnenbahn und Dämmerung
Im April wächst der helle Tag noch deutlich: von 12,8 auf 14,5 Stunden. Der Sonnenaufgang in Wien verschiebt sich von 6:32 auf 5:37 MESZ, der Sonnenuntergang von 19:25 auf 20:07 Uhr. Im Westen Österreichs sind die Auf- und Untergänge je nach geografischer Länge später, in Innsbruck z.B. um 20 Minuten.
Völlig dunkel ist es um etwa 21h, gegen Monatsende um 22h MESZ. Die tiefe Nacht währt weniger als 7 Stunden – deswegen finden die Messier-Marathons immer Ende März statt. Die bürgerliche Dämmerung (Sonnentiefe 6°, Lesen im Freien möglich) dauert im April nur 33 Minuten, die nautische (-12°, am Meer sind Horizont und helle Sterne sichtbar) weitere 39 Minuten. Abermals 45 Minuten später (-18°, astr. Dämmerung) tritt völlige Dunkelheit ein, jedoch nur fern von Siedlungsgebieten.
Die Dämmerung ist relativ kurz, weil die Sonne fast so steil wie im März untergeht.
Sehr gut lässt sich das in unserm
"Freiluftplanetarium"
Sterngarten Georgenberg beobachten, wo 7 Masten den Verlauf der Sonnenbahn vom Aufgang über die Kulmination bis zum Untergang markieren. Diese traditionellen Beobachtungen im Sinne Hermann Muckes sind auch in Zeiten der Corona-Krise möglich, wenn Sie voneinander 2 Meter Abstand halten.

Der Abendhimmel im April

Wenn es zur Monatsmitte um 20:45 MESZ dunkel genug ist, sehen wir im Südwesten noch das ganze Wintersechseck rund um Orion im Südwesten. Der strahlende Sirius in nur 15° Höhe funkelt in allen Farben, Capella in 50° aber kaum. Das hat mit der Luftunruhe zu tun, weil das Licht horizontnaher Sterne einen längeren Weg durch die Atmosphäre hat.
In diesen zwei
Sternen hat das Wintersechseck etwa 90°, die 4 anderen Winkel sind entsprechend größer. Was sonst am Sternhimmel zu sehen ist, zeigt die Titelseite unserer Homepage – wahlweise mit oder ohne Sternbilder.

Der rote Riese Beteigeuze (α Orionis) steht noch 30° hoch und lässt sich gut mit Bellatrix rechts unterhalb vergleichen. Nach seinem starken Helligkeitsabfall (kein Vorbote der künftigen Supernova) ist er im März wieder heller geworden. Ohne die derzeitige Staubhülle hätte er (wie Rigel, dem rechten Fuß) etwa 50.000-fache Sonnenleuchtkraft. Zwischen den beiden Riesen stehen die drei Gürtelsterne ganz waagrecht, anders als beim Aiufgang. Sie nach links zum funkelnden Sirius. Dessen schwacher Begleiter Sirius B (8.5 mag) wurde als erster Weißer Zwerg 1862 entdeckt. In einem Teleskop ab 20cm kann man ihn 11" östlich von Sirius erahnen, wenn man dessen Licht z.B. mit einem schwarzen Papierpunkt im Fadenkreuz-Okular abdeckt.
Reizvolle Sternhaufen:
Wenn nach Westen der Himmel dunkel ist, lässt sich noch die Winter-Milchstraße mit vielen Offenen Sternhaufen beobachten, frühere Geburtsstätten der Sterne. In 20-25° Höhe kann man noch die Plejaden und Hyaden im Stier erkennen – beide im Feldstecher ein Genuss!
Im Fernrohr empfiehl sich ein Vergleich der 4 Sternhaufen M35 bis M38, zwischen Fuhrmann und den Zwillingen. Jeder der Vier zeigt seine 50 bis 200 Sterne ganz anders: strahlend oder zart schimmernd, in Kreuzform oder wie ein langbeiniger Käfer. Bereits freiäugig ist zwischen Kassiopeia und Perseus der Doppelsternhaufen h/Chi Persei zu erkennen. Das herrliche Objekt ist zirkumpolar und daher der ideale Abschluss einer langen Beobachtungsnacht am Teleskop.

Während sich nun im Nordwesten Perseus, Cassiopeia und die hellsten Teile der Milchstraße verabschieden, steigen im Südosten Löwe und Jungfrau empor.

Gegen 21:30 Uhr kulminiert Regulus, der Hauptstern des Löwen. Als ekliptiknaher Stern wird er oft vom Mond bedeckt, alle 85 Jahre sogar von der Venus. Etwa 20° rechts steht der unscheinbare Krebs und mittendrin der helle Sternhaufen M44, die Praesepe (Krippe). Die zwei Sternchen daneben heißen nördlicher und südlicher Esel. Im Zentrum des nahen, über 1° großen Sternhaufens zeigt schon ein kleines Teleskop das funkelnde Schmuckkästchen mit 4-5 engen Doppelsternen.
Über Regulus sollte man sich auch den farbenfrohen Doppelstern Algieba (γ Leonis) ansehen, sowie die Spiralnebel-Paare M65/66 und M95/96. Ihnen folgt der Virgo-Galaxienhaufen mit 10 Messier-Objekten.

Bald erreicht nun der Große Wagen den Zenit. Genau in der Verlängerung γ ➔ α UMa findet man schon im Feldstecher das helle Galaxienpaar M81/82. Die "Zigarrengalaxie" M82 sieht man noch die Folgen einer früheren Begegnung mit M81 an: eine ungewöhnliche Starburst-Region in ihrer Mitte.
Der Deichselschwung des Wagens weist zum orangefarbenen, relativ nahen Arktur (α im Bootes). An ihm ist schon früh die Eigenbewegung (0,1° in 150 Jahren) aufgefallen. Dem Kreis weiter nach unten folgend kommt man zur fernen, blauweißen Spica, mit 22.000° fünfmal heißer als Arktur.

Um 24 Uhr kulminiert der Virgo-Haufen, wo schon ein Achtzöller über 20 Galaxien zeigt. Er liegt im Schwerpunkt des Frühlings-Dreiecks Regulus-Arktur-Spica. In 20-25° Höhe sehen wir das markante Viereck des Raben.

Zwischen 2 und 3 Uhr erreichen Arktur und die zierliche Krone den Meridian, während im Osten das große Sommerdreieck emporsteigt. Nur wenig später taucht im Südosten die morgendliche Planetenparade mit Jupiter, Saturn und Mars auf. Anfang März stehen die Drei innert 10° beisammen, doch zu Monatsende ist Mars schon 20° nach Osten "vorausgelaufen".

Sichtbarkeit der großen Planeten
• Merkur bleibt im April unsichtbar. Zwar hat er anfangs 26° Sonnenabstand, doch steht die morgendliche Ekliptik sehr flach. Mit GoTo-Montierungen ist er bis 20.4. am Taghimmel beobachtbar und zeigt eine 3/4-Phase mit 6" Durchmesser.
• Venus als strahlender Abendstern hatte am 24.3. die mit 46° größte Elongation und geht den ganzen April erst gegen 24 Uhr unter! Ihr Gang durch den Stier verlangsamt sich, am 3.4. wandert sie durch die Plejaden (schöner Anblick im Fernglas!) und am 17. oberhalb der Hyaden vorbei. Im Teleskop wird ihre Sichel immer schmäler, wächst aber von 26 auf 39", ihre Helligkeit auf seltene -4.5 mag. Am 26.4. läuft der Mond 6° südlich an Venus vorbei – ähnlich wie beim "Dreigestirn" am 28.März. Doch nun sind die Plejaden weit entfernt.
o Die übrigen hellen Planeten stehen am Morgenhimmel – zunächst in nur 10° Abstand voneinander:
• Mars durchzieht im April den gesamten Steinbock und steigert seine Helligkeit auf von 1.0 auf 0.6 mag – etwa gleich hell wie Saturn, den er am 31.3. überholt hat.
• Jupiter im Schützen, ebenfalls am Morgenhimmel, geht anfangs um 3:40 MESZ, zu Monatsende um 1:55 auf. Am 15. zieht der schmale Mond an den 3 Planeten vorbei. Jupiters Durchmesser wächst von 37 auf 41", sodass nun schon in kleinsten Fernrohren die Äquatorstreifen erkennbar sind.
o Auch die Schattenspiele der Jupitermonde lassen sich nun bis zum Herbst verfolgen. Schattendurchgänge gibt es am 8.4. ab 5:50 MESZ (Ganymed), am 15. und 22. (Io) und am 30.4. ab 3:20 (Europa). Da wird Io ab 4h22 verfinstert.
• Saturn ist in den Steinbock gewandert – aber langsamer als Jupiter, der ihn im Dezember zu einer sehr engen Konjunktion einholen wird. Er geht nun etwa eine Viertelstunde nach Jupiter auf, sein Durchmesser beträgt etwa 16", der Ring kapp 40". Nun zeigt schon ein 10cm-Teleskop die Cassini-Teilung zwischen den Ringen A und B..
• Uranus im Widder und Neptun im Wassermann stehen jenseits der Sonne und bleiben bis Juli bzw. Juni unbeobachtbar.
Mondphasen:
Erstes Viertel 1.4. und 30.4., Vollmond 8.4., Letztes Viertel 14.4., Neumond (1204) am 23.4.; bestes Erdlicht am 24. und 25.4. abends. Am 27.4. bedeckt der Mond mehrere Sterne in den Hyaden.
Konjunktionen (Zeiten in MESZ):
• 15.4., 01h: abnehmender Halbmond 2,0° südlich von Jupiter; um 4h Abstand 3,3°
• 15.4., 11h: Mond 2,5° südlich von Saturn; um 5h Abstand 4,7°
• 16.4., 07h: Mond 2,0° südlich von Mars; um 5h Abstand 3,0°
• 21.4., 19h: Mond 3,1° südlich von Merkur
• 26.4., 17h: Mond 6° südlich von Venus
• 28.4.: Venus im größten Glanz – je nach Quelle -4,25 bis -4,75 mag (!)
• Besonderheiten (aus news.astronomie.info):
• 03.4.: Der "Goldene Henkel" am Mond (Sinus Iridum) ist besonders deutlich
• 08.4.: Auf Mars beginnt der Nordherbst und die Sandsturm-Saison (Mars mißt 7", erst im Juli 13")
• 21.4., 6h: letzte Morgensichtbarkeit der Mondsichel (46 Stunden vor Neumond)
• 24.4. 21h: erste Abendsichtbarkeit der Mondsichel (41 Stunden nach Neumond)

Sternbedeckungen durch den Mond:
müssen heute aus Zeitgründen entfallen. Außerdem haben die 2 hellsten Sterne nur 5.5 mag (9.+13.4.).
Alle Daten für Wien und Innsbruck stehen auf unserer Homepage unter /beobachten/astronomischer-almanach-fuer-oesterreich, Seite 64 und 68.
Die Sternnamen beziehen sich nicht wie üblich auf Bayer, sondern auf den Zodiacal Catalogue.

Kleinplaneten (bis Nummer 10):
• 3 Juno (9.5 mag): am 2.4. Opposition in der Jungfrau; Kulmination 0:35 (lt. Himmelsjahr 2020)
• 4 Vesta (8.5 mag): abends zwischen Plejaden und Hyaden; Untergänge 1.4. 23:28, 30.4. 22.36 MEZ
• weitere Daten siehe Minor Planet Center
Enge Begegnungen mit Sternen (Kleinplaneten bis 11 mag, aus Sterne und Weltraum 2020/4, p.64)
• 06.4., 03:00 2 Pallas (10.3 mag) 5' westlich von Hip.95572 (5.7 mag)
• 16.4., 22:30 5 Astraea (10.9 mag) 6' südlich von Hip.40866 (5.8 mag)
• 19.4., 03:40 582 Olympia (12.8 mag) nur < 15" südlich von Zeta Leonis (Adhafera, 3.2 mag)
o nur im Teleskop > 30cm. Sollte das jemandem gelingen, bitte mir für Mai-Newsletter mitteilen!
• 19.4., 23:00 71 Niobe (10.7 mag) 7' südlich von Hip.54400 (6.5 mag)
• 20.4., 23:00 40 Harmonia (9.8 mag) 8' südsüdw. von Hip.69727 (6.4 mag).
Kometen:
• PanStarrs C/2017 T2: zirkumpolar, 8-9 mag in Perseus und Giraffe (Cam) ➔ Aufsuchkarte für März/April
• Atlas C/2019 Y4: zirkumpolar, 8-9 mag im Großen Bär und Giraffe ➔ Aufsuchkarte für März/April
• Komet Blanpain 289 P, ca. 8 mag (zweifelhafte Eilmeldung Mob.Obs. 30.3.), keine weiteren Daten gefunden
• Weitere Kometen auf www.aerith.net/comets ; alle Bahnelemente siehe IAU / Minor Planet Center
Meteorströme:
• Lyriden: 15.-28. April, flaches Maximum 22.4. morgens (helle schon ab 1h), etwa 8-20 schnelle Meteore pro Stunde
• Sigma-Leoniden: 10.4.–10.5., Maximum ca.16.4., nur wenige pro Stunde ➔ ein Fall für Spezialisten (Strom könnte versiegt sein)
• auf den Zodiacal Catalogue.

News aus Bio- und astronomischer Forschung:
• Lichtverschmutzung: Heller Wahnsinn über Wien | kurier.at -- und damit im Zusammenhang:
• Wenn die Bestäuber ausfallen – über 300.000 Insektenarten ausgestorben (Spektrum d.Wiss. 11.3.20)
• Corona: Interessantes von Kreuzfahrtschiffen (Sp.d.Wiss. 17.3.20)
• Superflares: Sonnen-Ausbruch alle 100 Jahre?
• Uranus verliert Gas - späte Deutung von Voyager (Sp.d.Wiss. 27.3.)
• Rätselhafter Lichtwechsel: Bricht der interstellare Komet '2I/Borisov' auseinander?
• Exoplanet WASP-76b: gebundene Rotation, Extremtemperaturen & Eisendampf...
• Supernova muss warten: Wird Beteigeuze wieder heller?
• Little Big Bang – im Ophiuchus-Galaxienhaufen
• Unerwartet: Röntgenausbruch eines Zwergsterns
• Dunkle Materie: Jagd im Milchstraßen-Halo (Sp.d.Wiss. 26.3.)
Einführende Literatur:
• Hermann Mucke: Himmelskunde im Freiluftplanetarium Wien. Um 10 € bei Führungen und Referatabenden des Astrovereins
• Sven Melchert: Alles über Astronomie , um 10 € im Kosmos-Verlag 2017
• Sky & Telescope: Astronomy for Beginners bzw. die wichtigsten Grundbegriffe (engl.)
• und fürs Nachdenken 30 unglaubwürdige Fakten zum Weltall: https:// www.youtube.com/watch?v=u2dTM45D83E
Besuchenswerte Sternwarten und Astrovereine in Wien & NÖ:
• Kuffner-Sternwarte (1160 Wien): http://kuffner-sternwarte.at/index.php (veranstaltet auch Beobachtungen im Lichtschutzgebiet Großmugl)
• Urania-Sternwarte und Planetarium: https://www.vhs.at/de/e/planetarium
• WAA (Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie): https://www.waa.at
• Antares (St. Pölten) und Sternwarte Michelbach: http://www.noe- sternwarte.at/
• Astr. Arbeitskreis Amstetten: http://www.amstetten.noe.gv.at/Arbeitskreise
• Leiserberge-Sternwarte: http://www.leiserbergesternwarte.at
• Leitzersdorf, Astronom. Gesellschaft: http://agl.or.at
• Martinsberg, Sternwarte Orion: http://www.sternwarte.wvnet.at Little Big Bang, Oph-Galaxienhaufen - astr.info 3.3.20
• Waldviertler Astr. Gesellschaft: http://www.sternwarte-hoehenberg.at
• Sauerbrunn, Burgenländische Amateurastronomen: https://www.alrukaba.at
• Naturhistorisches Museum, Meteorsammlung (Saal 5) und Meteorradar
Auf rege Inanspruchnahme der Angebote und auf interessante Kontakte freut sich
Dr. Gottfried Gerstbach
Laadoc
 
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